KoBra-Konferenz in Stuttgart

Fachkonferenz zum Thema „Nichts ist so beständig wie der Wandel - Sicherheit und Gesundheit in einem sich verändernden Pflegeumfeld“

05.07.2022 Stuttgart


Pünktlich um 7:50 Uhr erwartet Marco und mich (Martina D.) Martina von der Fahrbegleitung, um uns beide zum Hauptbahnhof zu bringen. Entspannt von der angenehmen Fahrt treffen wir dort Maria. Gemeinsam besuchen wir in Stuttgart die jährlich stattfindende Fachkonferenz „KoBra“, zum Thema „Nichts ist so beständig wie der Wandel - Sicherheit und Gesundheit in einem sich verändernden Pflegeumfeld“. KoBra steht für Kooperation Breitenumsetzung von Arbeitsschutz in der Pflege.

Nach kurzer Fahrt entlässt uns der ICE in ein sommerlich-heißes Stuttgart. Marco kennt sich hier gut aus. Im Stadtführermodus leitet er uns durch die Großbaustelle am Bahnhof entlang an Bauzäunen über zugepflasterte Straßen und Wege zwischen Glaspalästen und Hochhäuser vorbei an vertrockneten Pflanzkübeln bis zum Maritim Hotel. Stuttgarts Innenstadt erscheint mir wenig grün.


Wir betreten den Konferenzraum, der sich schnell mit überwiegend Führungskräften (wie sich später zeigt) aus Pflegeeinrichtungen füllt.


Es begrüßt uns Erhard Weiß von der BGW (Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege). Wir - liebe PiQ-Kolleg*innen - wissen, wie angespannt die Situation in der Pflege ist, noch verschärft durch die Pandemie. Herr Weiß macht in seiner Begrüßungsrede deutlich, dass die Belastungsfolgen der zurückliegenden Jahre jetzt deutlich hervortreten. Umso wichtiger ist es, in den Unternehmen eine Gefährdungsbeurteilung durchzuführen, die eine wesentliche Grundlage der Prävention darstellt. Arbeit darf die Sicherheit und die Gesundheit der Menschen nicht gefährden!


In eigener Sache: Wir bei PiQ haben schon vor Jahren eine Gefährdungsbeurteilung für unser Unternehmen durchgeführt und entsprechende Maßnahmen umgesetzt. Wir wissen, dass die Gefährdungsbeurteilung ein bewährtes Mittel ist, um typische Risiken festzustellen und um entsprechende Gegenmaßnahmen planen und umsetzen zu können. Doch Marco und mir wird klar, wir müssen sie jetzt bald aktualisieren. Wir wollen wissen, wie es euch liebe Kolleg*innen geht und wie wir als Unternehmen durch gezielte Maßnahmen euch am besten entlasten können.


In der anschließenden Diskussion zeigt sich, dass es in einigen Pflegeeinrichtungen schwierig ist, Sicherheitsbeauftragte oder sogar eine*n Betriebsarzt*ärztin zu finden. Da geht es uns bei PiQ etwas besser und wir hoffen sehr, dass Florian Stichnoth auch bald wieder an Bord ist.


In eigener Sache: Für alle die es noch nicht wissen, jedoch Interesse haben, am 26.07. von 09:30 – 15:30 Uhr findet bei uns in Nord eine Arbeitssicherheit und Sicherheitsbeauftragten-Schulung statt.


Wir in der Pflege müssen uns immer wieder neuen Anforderungen stellen. Als Unternehmen müssen wir aber auch Chancen anpassen. Wir drei sind gespannt ob die folgenden Themen uns hilfreiche Impulse bieten werden, wie in Zeiten des Wandels die Gesundheit unserer Mitarbeitenden geschützt und gefördert werden kann. Bei PiQ ist der Wandel ja Alltag. :)

Es beginnt Frau Prof. Dr. Jutta Heller. Sie ist die Dozentin zum Thema


- Resilienz für Organisationen: „Irgendetwas ist immer"-


Zunächst die Definition Resilienz für Organisationen. Neu war für mich, dass es dazu sogar eine ISO-Norm gibt. Jedenfalls bedeutet Resilienz nach Iso-Norm 22316 die Fähigkeit einer Organisation, etwas abzufedern, sich einer veränderten Umgebung anzupassen, um zu überleben und zu gedeihen. Zentral ist dabei vorherzusehen auf das was kommt und auf Veränderungen zu reagieren. Wichtig ist es als Unternehmen, die Risikofaktoren zu kennen, also festzustellen, welche Faktoren gefährden die Organisation?


Frau Heller zeigt uns einen Resilienz - Schlüssel, um Krisen zu meistern. Ziel ist es dabei, uns alle – egal auf welchem Platz wir im Unternehmen arbeiten - vor Stress und seelischen Belastungen zu schützen. Mir hat dabei der Satz „Irgendwas ist immer“ besonders gefallen. Hier gilt es eine innere Haltung zu entwickeln, die von Akzeptanz und Optimismus geprägt ist. Es gilt mit Herausforderungen erfolgreich umzugehen und daran zu wachsen. Dabei ist es wichtig, über Fehler zu sprechen und aus ihnen zu lernen. Wir müssen miteinander gut in Kontakt bleiben, uns in andere einfühlen und vertrauensvolle Beziehungen eingehen. „Grundsätzlich können alle Probleme gelöst werden“. Diese Haltung ermöglicht es, mit Kreativität gemeinsam an die Themen heranzugehen.

Die nächste Dozentin war Nicole Schlitz. Sie ist Pflegedienstleitung im eigenen Familienunternehmen INTERMED (Pflegedienst) und Resilienz- und Business Coach. Unter dem Thema „Den Druck aufnehmen, ohne zu zerbrechen“, stellt sie uns Möglichkeiten vor, wie eine resiliente Haltung dabei unterstützt, Krisen als Botschaft für Wachstum und Entwicklung zu verstehen. Auch sie geht auf die innere Haltung ein, die es zu entwickeln gilt. Dabei ist „die Hoffnung ein wichtiger Begleiter, wenn´s eng wird“. Mit der Hoffnung verbunden ist:


· Eine positive innere Überzeugung

· Die Annahme, das gesetzte Ziele erreicht werden können

· ist meist mit konkreten Plänen verbunden

· Glauben, dass sich die derzeitige Situation bessern kann

· Gibt Motivation, um ins Handeln zu kommen

· Kann unterschieden werden in hoffnungsvoll sein und handeln


Frau Schlitz erläutert, was es heißt „Optimismus als Unternehmensstrategie“ anzusehen. Mit folgender Vorgehensweise stellt sie uns ein gutes Werkzeug vor:


· Was ist unser Wunsch?

· Was wäre ein gutes Ergebnis?

· Was ist aktuell unser größtes Hindernis?

· Welchen konkreten Plan können wir machen, der uns hilft dieses Hindernis zu überwinden?


Ganz inspiriert von den leidenschaftlichen Vorträgen gehen wir in die Mittagspause. Das Maritim Hotel hat dazu ein großartiges Buffet für alle Teilnehmenden vorbereitet. Bei Maria drehen sich im Kopf die Rädchen, wie sie das Thema Resilienz in die Ausbildung einbringen kann. „Ich hab schon einige Ideen…“. Und auch Marco und mir fällt da einiges zu ein, z.B. anlässlich der Entwicklung unseres Unternehmensleitbildes, die neue Stelle der Personalentwicklung, und und und….


Es fällt schwer, sich nach diesem inspirierenden Vormittag auf den Nachmittag einzustellen. Vermutlich wären Fabian und seine IT-Truppe begeisterter gewesen als wir, denn jetzt geht’s in die digitale Welt mit Praxisbeispielen der Digitalisierung.


Zunächst wird uns durch einen begeisterten Mitarbeiter eines ambulanten Pflegedienstes eine VR-Brille vorgestellt, mit der Mitarbeitende oder Azubis z.B. das Absaugen von Trachealkanülen digital üben können. Viele Anwendungen konnten mit der Brille aktuell noch nicht durchgeführt werden und wir fanden, dass die Brille eher in den Schulen zur Anwendung kommen könnte.


Der nächste Vortrag wurde von Dozentinnen von pulsnetz KI vorgenommen. pulsnetz KI hat zum Ziel, Mitarbeitende der Sozialwirtschaft durch digitale und KI-gestützte Anwendungen zu entlasten und zu stärken.


Es wird TruDi vorgestellt. TruDi ist der Truck der Digitalisierung des Projekts pulsnetz KI. Den Truck kann man sich direkt vor Ort zum eigenen Unternehmen einladen. Die TruDi-Roadshow bietet die Möglichkeit, moderne Technologien für den Arbeitsalltag kennenzulernen und auszuprobieren. Irgendwie konnten wir uns nicht vorstellen, dass wir in der ambulanten Pflege davon einen Nutzen hätten. Aber vielleicht haben wir zu kurz gedacht und wenn ja, dann wissen wir jetzt, dass es TruDi gibt und wie wir den Kontakt herstellen können. Für interessierte Lesende hier der Kontakt: Truck & Workshops - pulsnetz.de – gesund arbeiten.


Danach wird das Projekt Regionales Zukunftszentrum KI "pulsnetz.de – gesund arbeiten" (pulsnetz KI) vorgestellt. Auch hier steht gesundes Arbeiten im Mittelpunkt. Es wird jedoch auch festgestellt, dass die Potentiale digitaler und mit künstlicher Intelligenz (KI) gestützter Technologien bisher wenig genutzt werden. Die Dozentin stellt die Website vor mit den Bereichen


· Am Empfang (Kontakt und Pressebereich)

· Auf dem Campus (eLearning für „gesundes Arbeiten“)

· In der Garage (KI-gestützte Dienstplanoptimierung z.B. mit den Zielen: Stressminderung, verlässliche Freizeit, Work-Life-Balance)

· und eben TruDi (neue Technologien kennenlernen und ausprobieren)

Ich frage mich, sind Pflegekräfte daran interessiert, durch digitales Lernen ihre Gesundheit zu erhalten oder sogar zu verbessern? Mit den interaktiven Lerneinheiten von pulsnetz KI, können Interessierte jedenfalls arbeits- und lebensbegleitend durch digitale Lösungen ihren eigenen Arbeitsalltag entlasten. Für alle, die sich das vorstellen können hier der Link zur website: KI-Projekt - pulsnetz.de – gesund arbeiten


Am Rande der Veranstaltung steht unter anderen auch ein Stand der AOK. Auch sie möchte mit dem care4care Projekt ihren Beitrag zur Gesundheit von Beschäftigten in der Pflege leisten. Care4Care bietet ein vielfältiges Programm, das eine Online-Trainingsplattform mit persönlichen Angeboten für Einzelpersonen und Teams kombiniert. Vielleicht ist etwas für euch dabei: Das Projekt – Care4Care Projekt (care4care-projekt.de)

Nach so viel Input verlassen wir gegen 15 Uhr das Maritim Hotel und genießen nach den klimatisierten Räumen die Sonne Stuttgarts. Tatsächlich bringt uns Marco auf dem Rückweg zum Bahnhof durch einen schönen Park. Unterwegs wollen wir das alte Stuttgart finden und kommen an der über 100 Jahre alten Markthalle vorbei. Natürlich wollen wir uns die Stände ansehen, es riecht einfach zu gut.

V.l.n.r. Marco Armbrust & Maria Polsz


Weiter geht’s zum Stuttgarter Schloss. Doch schon wieder empfängt uns ein Baustellenambiente, mit Bauzäunen, die den Blick auf das Schloss verstellen. Diesmal jedoch ist es die emsige Vorbereitung auf ein Konzert. Unser oberster Arbeits- und Gesundheitsschützer bei PiQ Marco (an dieser Stelle könnt ihr ihm gerne einmal applaudieren) hat schon sein geschultes Auge auf den Aushang am Bauzaun geworfen.

Ihr könnt feststellen, gedanklich sind wir immer noch im Thema Gesundheitsschutz unterwegs. :) Jedenfalls, lässiger Satz, könnte ich mir für die Standards vorstellen. Unser „Stadtführer“ Marco führt uns durch die Stuttgart 21 Großbaustelle bis zu unserem Gleis im Bahnhof. Und weiter bleiben wir im Thema, denn ganz nach dem Motto „Irgendwas ist immer“, hat unser Zug eine Stunde Verspätung. Aber auch die Bahn ist lockerer geworden. Mit einem Stempel auf

dem Ticket und dem Satz „nehmt einfach den nächsten Zug nach Mannheim“, gehen wir nach diesem auf die Suche. Zeitgleich ruft Marco unsere Fahrbegleitung Rainer an, um ihm mitzuteilen, dass wir nicht genau wissen, wann wir ankommen. Rainer meint nur: „ich warte auf euch, egal wann ihr ankommt“. Hey, ist das nicht resilientes Verhalten? Und tatsächlich, in Mannheim angekommen bringt uns ein gut gelaunter Fahrbegleiter Rainer zurück in die Schneidemühler Straße. Ein inspirierender Tag hat einen tollen Abschluss gefunden.


Autorin: Martina Döbele | Fotos: Martina Döbele

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