Queeres Wohnen im Alter

Aktualisiert: 22. Juni

Sozialbürgermeisterin Stefanie Jansen eröffnet die Podiumsdiskussion in Heidelberg. Mit der Thematik “Queeres Wohnen im Alter” beginnt die Veranstaltung im Karlstorbahnhof. Die Podiumsbühne ist gefüllt mit geballter Kompetenz verschiedener Bereiche: Jutta Scholz, Leiterin der Gruppe “Queere Vielfalt im Alter” Heidelberg oder Derek Cofie-Nunoo, Diplom Gerontologe an der Akademie für Gesundheitsberufe Heidelberg und, natürlich ganz vorne mit dabei, unser Unternehmensleiter Panajotis Neuert als Vertreter der Ambulanten Pflege.

Die an der Diskussion beteiligten wurden sorgfältig ausgesucht und ermöglichen verschiedene Perspektiven. Das stellt sich schnell heraus.


Zunächst wird gefragt, wie der Bedarf für queeres Wohnen in der Region aussieht und die Antwort ist deutlich. Groß. Nicht nur bei uns, eigentlich überall. Erst recht ein Grund, weshalb es wichtig ist, dass zumindest Pflegedienste ein Auge hierfür haben.


Joti beginnt zu erzählen, welcher Aufwand betrieben wurde, um das Qualitätssiegel Vielfalt zu erhalten. Zusammen mit dem Qualitätsmanagement, wurde umgeschrieben und umgedacht, die richtige Sprache eingebracht und vor allem – Personal und Leitung wurden für diese Thematik geschult und sensibilisiert. Ein Aufwand, der sich lohnt - seit 2020 ist Pflege im Quadrat im Besitz des Qualitätssiegels.

Ausgezeichnet mit solch einem Siegel, erwarten einen leider aber nicht nur positive Reaktionen. Deswegen, so erzählt Joti weiter, wäre es eine wichtige Überlegung, direkt an die Schulen zu gehen, um die Auszubildenden so früh wie möglich zu sensibilisieren.


Weiter im Gespräch, berichtet Derek Cofie-Nunoo von der aktuell bestehenden Problematik mit den mangelnden Räumen in Heidelberg, die für queere Menschen gedacht sind, die ihre Bedürfnisse kennen und sich eine biografische Kontinuität wünschen. Es besteht kaum Perspektive, gerade für solche Menschen und genau da möchte Derek ansetzen. Für uns alle ist es eine unausweichliche Frage, wie wir im Alter leben wollen. Doch gerade die queere Community, die mit anderen Herausforderungen und Diskriminierungen zu kämpfen hat als die heteronormative Mehrheitsgesellschaft, sollte sich mit den Fragen auseinandersetzen, die mit dem Alter einherkommen. Wie sieht es für mich in Zukunft aus? Wer ist da und kümmert sich? Welche Bedürfnisse habe ich im Alter?

Bestehen Antworten auf diese Fragen, ist jeder von uns bereits einen großen Schritt weiter.  

Eine große Stütze für einen angemessenen Lebensabend, so erzählt Derek, könnten flexible Grundrisse sein: Räume, in denen man im Alter angemessen leben kann. Pflegedienste könnten additiv hinzugefügt werden und somit ein allumfassendes Angebot darstellen.  

Nur, wie kommen wir dahin? Das Angebot an unterschiedlichen Wohnformen fehlt. Nicht nur in Heidelberg, sondern überall. Überlegungen wie zum Beispiel: “Was sind die Bedarfe und wie können wir Räume schaffen?” sind ein kleiner Anfang. Jutta Scholz kommt zu Wort und knüpft direkt an dieses Thema an. Sie, als lesbische, alleinstehende Frau, wünschte sich einen Lebensort, den sie mit anderen Frauen ihres Alters und Community teilen könnte. Mittels Gespräche mit der Sozialbürgermeisterin Heidelbergs, Stefanie Jansen und Unterstützung von mehreren Seiten, konnte ein alleinstehendes Gebäude aufgekauft und für diesen guten Zweck genutzt werden.

Ein Positivbeispiel, welches aber die Grundproblematik aufzeigt. Wie kommen queere Menschen zu diesem wohlverdienten Wohnraum? Es wird evaluiert und überlegt, eine Lösung könnten Konzeptübergaben sein. Ein Gebäude bekommen nicht die mit dem meisten Geld, sondern die mit dem besten Konzept. Zudem könnten Mehrgenerationshäuser eine Option darstellen, die mehrere Gesellschaftsgruppen abholen. Diese Idee unterstützt auch das ZUSAMMEN leben. Man ist gerne umgeben von anderen - diese Rahmenbedingungen müssen auch für ältere Menschen geschaffen werden.

Trotz der Ernsthaftigkeit der besprochenen Inhalte, besteht eine ausgelassene, aber in erster Linie interessierte Stimmung. Als die Frage an das Publikum gerichtet wird, wie deren Erfahrungswert aussieht, kommt Fabian Klenk zu Wort: Er engagiert sich im CSD-Verein und stellte eine gewisse Tabuisierung fest – für schwule Männer gibt es nichts Schlimmeres, als alt zu werden. Er will dieses Thema aus der Ecke der Tabuisierung rausholen und mehr in Diskurs treten. Zudem verweist er darauf, dass diese Problematik auch in anderen Vereinen und Gruppen angenommen werden muss und nicht nur innerhalb der queeren Community stattfinden kann. Große Zustimmung seitens der anderen kam auf.  

Letztlich geht es nämlich genau darum. Es braucht Diskurs, aber allem voran Handlungskraft. Wir alle werden alt und deswegen ist es kein Minderheitenthema. Denn, wenn man es recht bedenkt, sind wir alle mitinbegriffen, wenn hier im Karlstorbahnhof diskutiert wird. Wie wollen wir in Zukunft leben? Und wie können wir das angemessen umsetzen?

Lasst uns das zusammen gestalten.

Autorin: Melissa Sobottke | Fotos: Alexander Kästel


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